Französische Merkwürdigkeiten
Als ich vor bald 17 Jahren frisch in Bordeaux gelandet bin, habe ich unglaublich viel für merkwürdig gehalten. Alles war neu, alles war anders und vieles war mir völlig fremd.
Es fühlte sich ungewohnt und manches Mal sogar ein bisschen bedrohlich an.
Vieles ist heute noch unverständlich aber es fühlt sich inzwischen normal an.
Und seien wir mal ehrlich, diese französische 'bizarrerie' hat auch einen gewissen Charme.
Nehmen wir mal die Kreisverkehr- Manie...
Ja ehrlich, Du reist durchs Land (auf einer départementale, einer Landstrasse) und kommst durch ein kleines Dorf mit sagen wir mal 600 Seelen und auf was stösst Du??? Auf einen Kreisverkehr. Einen riesigen, enormen Kreisverkehr.
Wahrscheinlich ist da so viel los dass eine Ampel den sagenhaften Verkehr zu sehr zum Stocken bringen würde. Ist auch gefährlich so 'ne Ampel. Und teuer (wahrscheinlich).
Also ja, es gibt wahrscheinlich 100 gute städtebauliche, verkehrstechnische Gründe warum es so viele Kreisverkehre gibt. Ich kenne sie nicht. Gebe ich zu.
Mein Problem war immer dass ich sie nicht zu nehmen wusste. Ich kann mich nicht erinnern dass in meiner deutschen Führerscheinprüfung ein Kreisverkehr enthalten war. Und auch nicht diese speziellen Regelungen mit vor dem Kreisverkehr rechts blinken (oder links blinken??) innere, mittlere, äussere Spur wählen (?? help!!), auf toten Winkel achten (!!) und noch einige andere wirre Anordnungen.
Deshalb hatte ich immer eine Heiden-Angst vor Kreisverkehren. Bis meine Tochter den französischen Führerschein gemacht hat und mir endlich erklärte wie man einen rond-point nimmt. Heute bin ich fast perfekt und fahre ohne Panikattacke auf einen rond-point. Alles ist lernbar. Und wenn nicht : Augen zu und durch.
Und dann diese unvergängliche Liebe zum Baguette! Morgens, mittags, abends!
Ok morgens zum Frühstück kann ich verstehen, selbst wenn es nicht unbedingt ernährungsbewusst ist und selbst wenn gemeinhin der erwachsene Franzose nicht frühstückt sondern nur einen Kaffee runterschüttet und durchstartet.
Mittags, gegen 12 Uhr, siehst Du ungefähr jeden Zweiten mit einer Baguette unter dem Arm herumlaufen. Entweder in Form von Sandwich (die Studentenvariante) oder Opi der seine Baguette nach Hause trägt, weil neben dem Mittagessen isst man immer Brot. Egal ob es Reis gibt oder Nudeln oder Kartoffeln als Beilage, Brot muss immer auf dem Tisch stehen (und wird auch gegessen)! Entweder wird damit nachher der Teller ausgetunkt und abgewischt (Sosse u. ä) oder aber es dient als Grundlage für den Käse der auch als Nachtisch fungiert. Kleines Stück Brot, kleines Stück Käse und Hop. Keine Brotscheibe mit Käsescheibe (klassisches deutsches Butterbrot), nein, alles mundgerecht und äusserst gesittet.
Ja und Abends? Dasselbe Bild.
Die Kinder kommen gegen 17 Uhr aus der Schule und werden häufig von den Müttern abgeholt. Und wohin geht's dann? Zum Bäcker. Da kauft man dann ein goûter (süsses Teilchen, Croissant...) für die Kleinen, weil die haben immer Hunger und natürlich brauchen wir das Baguette zum dîner! Abends wird in Frankreich warm gegessen und Brot ist immer dabei.
Bei all dieser Brot-Orgie könnte man meinen die Franzosen wären allgemein übergewichtig. Sind sie aber nicht...ein echtes Rätsel...
Es gibt auch einige Merkwürdigkeiten was das französische Ausbildungssystem anbetrifft. genau genommen IST wahrscheinlich dieser Dinosaurier der sich 'éducation nationale' nennt an sich schon eine Merkwürdigkeit, aber das ist eine andere Debatte. Hier geht es um den 'percent' (auch persan), oder 100 Tage bis zum Abi.
Also das ist eine wirklich abstruse Tradition. Die zukünftigen Abiturienten feiern an diesem Tag dass sie in 100 Tagen ihr Abi machen. Man könnte es wie eine vorweggenommene Inititationsfeier betrachten, ein Ritus sozusagen. Die bevorstehende Passage vom Schüler zum Studenten, ein weiterer Schritt Richtung Unabhängigkeit. Die betroffenen Schüler der Terminale (letzte Gymnasial-Klasse) stromern auf der Strasse oder vor der Schule herum, manche verkleidet, und werfen Eier und Mehl auf andere Schüler. Manche liefern sich Schlachten zwischen Gymnasien, manche versprühen Rasierschaum. Dieses Chaos ist vor allem für die Jüngeren beunruhigend die morgens einfach nur in ihre Klassen kommen wollen und nachmittags wieder nach Hause, ohne Ei und Mehl im Haar oder auf dem Anorak. In den letzten Jahren gab es glücklicherweise Gegeninitiativen wo die Abiturienten mit dem Mehl und den Eiern lieber Crêpes vor der Schule gebacken haben die sie den anderen Schülern geschenkt haben. In einem Jahr hatten sie sogar ein Strandszenario aufgebaut, mit Sonnenschirmen, Sand, Plastikpool, Liegestühlen, Flip-Flops und Grill. (Es regnete bei gefühlten 15 °C). Das Grillen hatte durchschlagenden Erfolg...
Wenn Du in Frankreich zum Arzt musst bist Du erst mal erstaunt. Oft gibt es keine Sprechstundenhilfe, sondern der Arzt kommt Dich holen wenn Du an der Reihe bist. Die Untersuchung läuft in etwa so ab wie wir es in Deutschland gewohnt sind, ausser wenn es um Ultraschall oder Blutabnehmen geht. Denn in Arztpraxen wird kein Blut abgenommen!
Man könnte meinen dass Allgemeinärzte, nicht zu sprechen von Fachärzten, in ihrer Ausbildung gelernt hätten Blut abzunehmen. Pitsch mit der Spritze in den Arm, oder Pscccccht etwas Urin in das Becherchen. Gehört doch alles zu einer umfassenden Analyse und Behandlung hinzu. Ist auch praktisch, alles an einem Ort. In Frankreich nicht! Da gehst Du zu Deinem Hausarzt (oder Spezialisten) und der entscheidet ob es sinnvoll wäre eine Blutuntersuchung zu machen und dann verschreibt er Dir ein Rezept mit dem gehst Du dann in ein Labor. Extra Labor. Die nehmen Blut ab am Fliessband. Und untersuchen Urinproben, am Fliessband. Die Ergebnisse werden dann (heute per Mail) dem Arzt und Dir zugeschickt. Alles super umständlich. Und kostet. Natürlich. Aber man nimmt es hin. Selbst wenn man dann manchmal Wochen braucht bis man es zum nächsten Labor geschafft hat...
Franzosen lieben gutes Essen. Hochwertige Produkte, am Besten lokal. Wir hier im Südwesten haben das Glück dass hier viele Gemüse- und Obstsorten relativ mühelos wachsen und gedeihen. Rund um Bordeaux ist viel Natur und auch Biolandhöfe und Aufzuchten gibt es häufig. Deshalb gehören Austern und Foie Gras zum Alltag, wie im Rheinland der Reibekuchen und die Blutwurst.
Austern und Foie Gras sind die klassischen Zutaten eines französischen Weihnachtsmenüs. Und das fand ich am Anfang komplett eklig. Wie kann man nur diese glibberigen, kalten und noch lebenden Dinger runterschlürfen. Und die Foie Gras, dieses fettige, schmierige Stück Pastete, grauenhaft.
Logisch. Als Rheinländerin gab es bei uns eher Muscheln, Sauerbraten oder Würstchen mit Kartoffelsalat und Senf. Austern war was für die abgedrehten Feinschmecker. Unerschwinglich und exotisch.
Inzwischen sehe ich das etwas anders. Hier haben wir das Bassin d'Arcachon um die Ecke und die Landes und das Gers um die andere Ecke und so wird man mit Austern und Foie Gras geradezu zugeschmissen. Sonntags werden Austern an jeder Strassenecke an kleinen Ständen verkauft. Das gehört zum Sonntag dazu wie das frische Baguette (ach nee), das Gemüse vom Markt (hier ist Sonntags Markt!) und die Zeitung. Und wenn Du ans Meer fährst, Richtung Bassin d'Arcachon, und das vielleicht mit Freunden, kommst Du um eine Austern-Verkostung gar nicht drum herum.
Gute Austern, aus dem Bassin, die Kleinen, haben sogar einen leicht nussigen (natürlich jodhaltigen) Geschmack und sind nicht wirklich glibberig. Eher fleischig. Man isst sie in Begleitung von Pâté mit Piment d'Espelette (Leberwurst im Glas gewürzt mit Espelette Chili, auch fast lokal, aus dem Baskenland), Crevetten nebst selbstgemachter Mayonnaise und einem Glas Weisswein. Ach ja und Brot. Graubrot mit Butter. (Keine Baguette!)
Die Foie Gras habe ich so nach und nach lieben gelernt, nachdem eine Freundin mir beigebracht hat wie man sie selbst zubereitet. Kein Vergleich zu einer gekauften aus dem Supermarkt!!
Ich hatte es schon in meinem vorherigen Artikel kurz erwähnt, die Rentrée (Schulbeginn nach den Sommerferien) ist hier eine nationale und sehr ernst zu nehmende Angelegenheit. Ich war damit am Anfang völlig überfordert und dachte mir: was ist das denn für ein Delirium!
Schon im August sieht man überall Plakate und Werbung für Stifte, Hefte, Tornister, Rucksäcke, Jacken, Schuhe. Und spätestens Mitte August sind alle in Alarmbereitschaft und stehen in den Startlöchern um Schulmaterial und neue Garderobe zu erwerben. Anscheinend muss immer alles neu sein. Federmäppchen inklusive. Das ist wie eine magische Handlung, neues Schuljahr, neue Hefte, neuer Start, neues Glück, neuer Erfolg. Das alles geht mit einer gehörigen Portion Stress einher, denn der Wechsel von zwei Monaten Sommerferien zu einer durchgetakteten Woche mit vielen Anforderungen und Unwägbarkeiten ist rüde. Selbst für alle die die keine Kinder haben, bedeutet die Rentrée nach zwei Sommermonaten wo der Rhythmus deutlich langsamer war, einen ordentlichen Adrenalinschub. Schon im Juli geht das business langsamer voran, selbst wenn noch viele arbeiten. Im August geht der Alltag in Sommerpause, liegt am Strand oder ist mit der Familie auf dem Land. Nichts geht im August. Alles ist zu, die Strassen sind leer, alle sind verreist. Null business. Deshalb ist die Rentrée der Startschuss, der Neuanfang, der Peitschenknall für eine neue Dynamik, Erfolg, Kontakte, Einladungen. Da hat man sich besser extrem gut erholt im Sommer, sonst kann die Rentrée zu einem schwierigen Moment werden...
Und Weihnachten ist auch ein Moment im Jahr wo man sich verloren den Kopf kratzt.
Denn : der Weihnachtsbaum steht, ab dem ersten Advent!
In Deutschland hegen und pflegen wir den Adventskranz und die Weihnachtsdekoration in der Vorweihnachtszeit. Wir backen Plätzchen, dekorieren liebevoll Tannenzweige in der Vase und basteln oft eigenhändig den Adventskalender. Es riecht überall lecker nach Lebkuchen, Stollen und Zimtsternen. Das gehört zu der festlichen Vorfreude, bis dann kurz vor Weihnachten das Hauptstück, der Tannenbaum, aufgestellt wird.
Hier war ich anfangs komplett erstaunt dass die Dekoration so spartanisch ausfällt. Die Stadt gibt sich viel Mühe und die Lichterketten sind sehr phantasievoll. Aber der Franzose dekoriert zu Hause im Allgemeinen wenig, ausser, seinen Tannenbaum! Der wird mit Girlanden und blinkenden Lichterketten zugehängt und steht möglichst früh schon im Wohnzimmer. Bei denen die nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben, liegen auch schon die Geschenke früh darunter. Liebevoll verpackt. Aber sichtbar. Ich finde dass da etwas von der weihnachtlichen Magie auf der Strecke bleibt. Ob da wohl bei den Franzosen die streng republikanische Erziehung durchschlägt und bei den Deutschen die heimlich sentimentale Seele...Fragen über Fragen...
Manchmal schüttele ich noch heute verwundert den Kopf, wenn mir mal wieder eine Merkwürdigkeit über den Weg läuft. Aber das kommt auf die Tagesform an und darauf wie gelassen man mit Andersartigkeiten umgehen kann. Es ist schliesslich immer eine Frage der Sichtweise und der Gewohnheiten was als merkwürdig empfunden wird und was nicht. Bei meinen seltenen Besuchen in Deutschland entdecke ich plötzlich Merkwürdigkeiten bei den Deutschen die mir früher nicht so aufgefallen wären. Aber ich sage mir : Jede Jeck es angers (wie man so schön im Rheinland sagt).
Leben und leben lassen. Eine Kunst...
Es fühlte sich ungewohnt und manches Mal sogar ein bisschen bedrohlich an.
Vieles ist heute noch unverständlich aber es fühlt sich inzwischen normal an.
Und seien wir mal ehrlich, diese französische 'bizarrerie' hat auch einen gewissen Charme.
| Blick aus meinem Wohnzimmerfenster |
Ja ehrlich, Du reist durchs Land (auf einer départementale, einer Landstrasse) und kommst durch ein kleines Dorf mit sagen wir mal 600 Seelen und auf was stösst Du??? Auf einen Kreisverkehr. Einen riesigen, enormen Kreisverkehr.
Wahrscheinlich ist da so viel los dass eine Ampel den sagenhaften Verkehr zu sehr zum Stocken bringen würde. Ist auch gefährlich so 'ne Ampel. Und teuer (wahrscheinlich).
Also ja, es gibt wahrscheinlich 100 gute städtebauliche, verkehrstechnische Gründe warum es so viele Kreisverkehre gibt. Ich kenne sie nicht. Gebe ich zu.
Mein Problem war immer dass ich sie nicht zu nehmen wusste. Ich kann mich nicht erinnern dass in meiner deutschen Führerscheinprüfung ein Kreisverkehr enthalten war. Und auch nicht diese speziellen Regelungen mit vor dem Kreisverkehr rechts blinken (oder links blinken??) innere, mittlere, äussere Spur wählen (?? help!!), auf toten Winkel achten (!!) und noch einige andere wirre Anordnungen.
Deshalb hatte ich immer eine Heiden-Angst vor Kreisverkehren. Bis meine Tochter den französischen Führerschein gemacht hat und mir endlich erklärte wie man einen rond-point nimmt. Heute bin ich fast perfekt und fahre ohne Panikattacke auf einen rond-point. Alles ist lernbar. Und wenn nicht : Augen zu und durch.
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| Schnurgerade gibt's auch... |
Und dann diese unvergängliche Liebe zum Baguette! Morgens, mittags, abends!
Ok morgens zum Frühstück kann ich verstehen, selbst wenn es nicht unbedingt ernährungsbewusst ist und selbst wenn gemeinhin der erwachsene Franzose nicht frühstückt sondern nur einen Kaffee runterschüttet und durchstartet.
Mittags, gegen 12 Uhr, siehst Du ungefähr jeden Zweiten mit einer Baguette unter dem Arm herumlaufen. Entweder in Form von Sandwich (die Studentenvariante) oder Opi der seine Baguette nach Hause trägt, weil neben dem Mittagessen isst man immer Brot. Egal ob es Reis gibt oder Nudeln oder Kartoffeln als Beilage, Brot muss immer auf dem Tisch stehen (und wird auch gegessen)! Entweder wird damit nachher der Teller ausgetunkt und abgewischt (Sosse u. ä) oder aber es dient als Grundlage für den Käse der auch als Nachtisch fungiert. Kleines Stück Brot, kleines Stück Käse und Hop. Keine Brotscheibe mit Käsescheibe (klassisches deutsches Butterbrot), nein, alles mundgerecht und äusserst gesittet.
Ja und Abends? Dasselbe Bild.
Die Kinder kommen gegen 17 Uhr aus der Schule und werden häufig von den Müttern abgeholt. Und wohin geht's dann? Zum Bäcker. Da kauft man dann ein goûter (süsses Teilchen, Croissant...) für die Kleinen, weil die haben immer Hunger und natürlich brauchen wir das Baguette zum dîner! Abends wird in Frankreich warm gegessen und Brot ist immer dabei.
Bei all dieser Brot-Orgie könnte man meinen die Franzosen wären allgemein übergewichtig. Sind sie aber nicht...ein echtes Rätsel...
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| Post-Baguette Situation |
Es gibt auch einige Merkwürdigkeiten was das französische Ausbildungssystem anbetrifft. genau genommen IST wahrscheinlich dieser Dinosaurier der sich 'éducation nationale' nennt an sich schon eine Merkwürdigkeit, aber das ist eine andere Debatte. Hier geht es um den 'percent' (auch persan), oder 100 Tage bis zum Abi.
Also das ist eine wirklich abstruse Tradition. Die zukünftigen Abiturienten feiern an diesem Tag dass sie in 100 Tagen ihr Abi machen. Man könnte es wie eine vorweggenommene Inititationsfeier betrachten, ein Ritus sozusagen. Die bevorstehende Passage vom Schüler zum Studenten, ein weiterer Schritt Richtung Unabhängigkeit. Die betroffenen Schüler der Terminale (letzte Gymnasial-Klasse) stromern auf der Strasse oder vor der Schule herum, manche verkleidet, und werfen Eier und Mehl auf andere Schüler. Manche liefern sich Schlachten zwischen Gymnasien, manche versprühen Rasierschaum. Dieses Chaos ist vor allem für die Jüngeren beunruhigend die morgens einfach nur in ihre Klassen kommen wollen und nachmittags wieder nach Hause, ohne Ei und Mehl im Haar oder auf dem Anorak. In den letzten Jahren gab es glücklicherweise Gegeninitiativen wo die Abiturienten mit dem Mehl und den Eiern lieber Crêpes vor der Schule gebacken haben die sie den anderen Schülern geschenkt haben. In einem Jahr hatten sie sogar ein Strandszenario aufgebaut, mit Sonnenschirmen, Sand, Plastikpool, Liegestühlen, Flip-Flops und Grill. (Es regnete bei gefühlten 15 °C). Das Grillen hatte durchschlagenden Erfolg...
Wenn Du in Frankreich zum Arzt musst bist Du erst mal erstaunt. Oft gibt es keine Sprechstundenhilfe, sondern der Arzt kommt Dich holen wenn Du an der Reihe bist. Die Untersuchung läuft in etwa so ab wie wir es in Deutschland gewohnt sind, ausser wenn es um Ultraschall oder Blutabnehmen geht. Denn in Arztpraxen wird kein Blut abgenommen!
Man könnte meinen dass Allgemeinärzte, nicht zu sprechen von Fachärzten, in ihrer Ausbildung gelernt hätten Blut abzunehmen. Pitsch mit der Spritze in den Arm, oder Pscccccht etwas Urin in das Becherchen. Gehört doch alles zu einer umfassenden Analyse und Behandlung hinzu. Ist auch praktisch, alles an einem Ort. In Frankreich nicht! Da gehst Du zu Deinem Hausarzt (oder Spezialisten) und der entscheidet ob es sinnvoll wäre eine Blutuntersuchung zu machen und dann verschreibt er Dir ein Rezept mit dem gehst Du dann in ein Labor. Extra Labor. Die nehmen Blut ab am Fliessband. Und untersuchen Urinproben, am Fliessband. Die Ergebnisse werden dann (heute per Mail) dem Arzt und Dir zugeschickt. Alles super umständlich. Und kostet. Natürlich. Aber man nimmt es hin. Selbst wenn man dann manchmal Wochen braucht bis man es zum nächsten Labor geschafft hat...
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| Im Wartezimmer von meinem Hausarzt |
Franzosen lieben gutes Essen. Hochwertige Produkte, am Besten lokal. Wir hier im Südwesten haben das Glück dass hier viele Gemüse- und Obstsorten relativ mühelos wachsen und gedeihen. Rund um Bordeaux ist viel Natur und auch Biolandhöfe und Aufzuchten gibt es häufig. Deshalb gehören Austern und Foie Gras zum Alltag, wie im Rheinland der Reibekuchen und die Blutwurst.
Austern und Foie Gras sind die klassischen Zutaten eines französischen Weihnachtsmenüs. Und das fand ich am Anfang komplett eklig. Wie kann man nur diese glibberigen, kalten und noch lebenden Dinger runterschlürfen. Und die Foie Gras, dieses fettige, schmierige Stück Pastete, grauenhaft.
Logisch. Als Rheinländerin gab es bei uns eher Muscheln, Sauerbraten oder Würstchen mit Kartoffelsalat und Senf. Austern war was für die abgedrehten Feinschmecker. Unerschwinglich und exotisch.
Inzwischen sehe ich das etwas anders. Hier haben wir das Bassin d'Arcachon um die Ecke und die Landes und das Gers um die andere Ecke und so wird man mit Austern und Foie Gras geradezu zugeschmissen. Sonntags werden Austern an jeder Strassenecke an kleinen Ständen verkauft. Das gehört zum Sonntag dazu wie das frische Baguette (ach nee), das Gemüse vom Markt (hier ist Sonntags Markt!) und die Zeitung. Und wenn Du ans Meer fährst, Richtung Bassin d'Arcachon, und das vielleicht mit Freunden, kommst Du um eine Austern-Verkostung gar nicht drum herum.
Gute Austern, aus dem Bassin, die Kleinen, haben sogar einen leicht nussigen (natürlich jodhaltigen) Geschmack und sind nicht wirklich glibberig. Eher fleischig. Man isst sie in Begleitung von Pâté mit Piment d'Espelette (Leberwurst im Glas gewürzt mit Espelette Chili, auch fast lokal, aus dem Baskenland), Crevetten nebst selbstgemachter Mayonnaise und einem Glas Weisswein. Ach ja und Brot. Graubrot mit Butter. (Keine Baguette!)
Die Foie Gras habe ich so nach und nach lieben gelernt, nachdem eine Freundin mir beigebracht hat wie man sie selbst zubereitet. Kein Vergleich zu einer gekauften aus dem Supermarkt!!
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| Austern, what else |
Ich hatte es schon in meinem vorherigen Artikel kurz erwähnt, die Rentrée (Schulbeginn nach den Sommerferien) ist hier eine nationale und sehr ernst zu nehmende Angelegenheit. Ich war damit am Anfang völlig überfordert und dachte mir: was ist das denn für ein Delirium!
Schon im August sieht man überall Plakate und Werbung für Stifte, Hefte, Tornister, Rucksäcke, Jacken, Schuhe. Und spätestens Mitte August sind alle in Alarmbereitschaft und stehen in den Startlöchern um Schulmaterial und neue Garderobe zu erwerben. Anscheinend muss immer alles neu sein. Federmäppchen inklusive. Das ist wie eine magische Handlung, neues Schuljahr, neue Hefte, neuer Start, neues Glück, neuer Erfolg. Das alles geht mit einer gehörigen Portion Stress einher, denn der Wechsel von zwei Monaten Sommerferien zu einer durchgetakteten Woche mit vielen Anforderungen und Unwägbarkeiten ist rüde. Selbst für alle die die keine Kinder haben, bedeutet die Rentrée nach zwei Sommermonaten wo der Rhythmus deutlich langsamer war, einen ordentlichen Adrenalinschub. Schon im Juli geht das business langsamer voran, selbst wenn noch viele arbeiten. Im August geht der Alltag in Sommerpause, liegt am Strand oder ist mit der Familie auf dem Land. Nichts geht im August. Alles ist zu, die Strassen sind leer, alle sind verreist. Null business. Deshalb ist die Rentrée der Startschuss, der Neuanfang, der Peitschenknall für eine neue Dynamik, Erfolg, Kontakte, Einladungen. Da hat man sich besser extrem gut erholt im Sommer, sonst kann die Rentrée zu einem schwierigen Moment werden...
| Cap Ferret während der Sommerferien |
Und Weihnachten ist auch ein Moment im Jahr wo man sich verloren den Kopf kratzt.
Denn : der Weihnachtsbaum steht, ab dem ersten Advent!
In Deutschland hegen und pflegen wir den Adventskranz und die Weihnachtsdekoration in der Vorweihnachtszeit. Wir backen Plätzchen, dekorieren liebevoll Tannenzweige in der Vase und basteln oft eigenhändig den Adventskalender. Es riecht überall lecker nach Lebkuchen, Stollen und Zimtsternen. Das gehört zu der festlichen Vorfreude, bis dann kurz vor Weihnachten das Hauptstück, der Tannenbaum, aufgestellt wird.
Hier war ich anfangs komplett erstaunt dass die Dekoration so spartanisch ausfällt. Die Stadt gibt sich viel Mühe und die Lichterketten sind sehr phantasievoll. Aber der Franzose dekoriert zu Hause im Allgemeinen wenig, ausser, seinen Tannenbaum! Der wird mit Girlanden und blinkenden Lichterketten zugehängt und steht möglichst früh schon im Wohnzimmer. Bei denen die nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben, liegen auch schon die Geschenke früh darunter. Liebevoll verpackt. Aber sichtbar. Ich finde dass da etwas von der weihnachtlichen Magie auf der Strecke bleibt. Ob da wohl bei den Franzosen die streng republikanische Erziehung durchschlägt und bei den Deutschen die heimlich sentimentale Seele...Fragen über Fragen...
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| Weihnachtsplätzchen - home made |
Manchmal schüttele ich noch heute verwundert den Kopf, wenn mir mal wieder eine Merkwürdigkeit über den Weg läuft. Aber das kommt auf die Tagesform an und darauf wie gelassen man mit Andersartigkeiten umgehen kann. Es ist schliesslich immer eine Frage der Sichtweise und der Gewohnheiten was als merkwürdig empfunden wird und was nicht. Bei meinen seltenen Besuchen in Deutschland entdecke ich plötzlich Merkwürdigkeiten bei den Deutschen die mir früher nicht so aufgefallen wären. Aber ich sage mir : Jede Jeck es angers (wie man so schön im Rheinland sagt).
Leben und leben lassen. Eine Kunst...






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